Von emsigen Honigbienen und einem Golf spielenden Imker

Im Projektteam des Golf & Natur Programmes wurde die Idee entwickelt, Bienenvölker auf dem Platz würden der Natur und Umwelt gut tun und die Aufstellung von Bienenkästen beschlossen. Seit Sommer vergangenen Jahr stehen nun zwei Bienenkästen, so genannte Beuten, auf unserem Golfplatz, und zwar seitlich an dem um den Teich herum führenden Weg zum Grün 9.

Herr Wilkens, Sie haben an der Universität Bremen Biologie mit der Fachrichtung Ökologie studiert. Sie sind Hobby Imker aus Leidenschaft und Tradition und wohnen auch noch direkt am Golfplatz. Das klingt spannend. Wie kam es zu dieser Leidenschaft eines Imkers?

Als ich mein Studium an der Universität Bremen begann, ging mein Vater in Rente und erfüllte sich seinen jahrzehntelangen Traum, Bienen zu halten.  An der Universität gibt es eine Forschungsstelle für Bienen unter der Leitung von Frau Dr. Dorothea Brückner, bei der ich viele Kurse belegte und mein Projektstudium absolvierte. So wurde ich dann gleich von mehreren Seiten mit der Faszination Honigbiene angesteckt und erlag diesem Thema schnell.

Im Frühjahr 2011 habe ich Sie gefragt, ob Sie sich vorstellen könnten, auf dem Golfplatzgelände Bienenstöcke aufzustellen. Sie haben spontan zugesagt. Was hat Sie dazu motiviert?

Es gibt mehrere Gründe. Erstens ist das Nahrungsangebot für die Bienen auf dem Golfplatz und Umgebung sehr gut. Dank vieler Weiden, Linden, Faulbäumen und vielen Sträuchern und Blumen ist das Nahrungsangebot von Frühjahr bis Herbst für die Bienen gesichert. Außerdem habe ich somit auch öfter Gelegenheit, Interessierten die Imkerei näher zu bringen.

Wie sind Sie zufrieden mit den Ergebnissen der ersten Saison? 

Aus imkerlicher Sicht war das Frühjahr letzten Jahres sehr gut, mit einer reichlichen und wohlschmeckenden Honigernte. Der Sommer hingegen, wie viele regelmäßige Golfer erfahren haben, war leider sehr verregnet und somit auch für die Bienen nicht optimal. 

Haben sich Schwierigkeiten ergeben?

Anfänglich war ich leicht sorgenvoll, dass Personen,  welche  falsche Vorstellungen von Bienen und Bienenhaltung haben, Angst hätten, dass in mittelbarer Nähe Bienenstöcke stehen. Glücklicherweise wurde ich sehr angenehm überrascht, dass es so positiv angenommen wurde.

Wo können unsere Mitglieder und Gäste Ihren Honig kaufen?

Im Wachtelkönig habe ich einen kleinen Verkaufsstand, wo es einige Sorten zu kaufen gibt. Da ich quasi 80 Meter neben dem Loch 17 des Golfplatzes wohne, kann man mich auch gern besuchen kommen. Ich biete dort diverse Sorten und auch imkerliche Nebenerzeugnisse an.

Die Biene ist das Nutztier der Imker.  Ihr eigentlicher Wert liegt nicht nur in der Honigproduktion, sondern ihre Leistungsfähigkeit kommt in vielfältiger Weise der Natur und Umwelt zugute. Warum ist das so?

Der eigentlich Wert der Honigbiene liegt in der Bestäubung der Pflanzen. Ohne ihre Bestäubungsleistung würde es kein Obst und Gemüse geben und die Pflanzenvielfalt wäre stark reduziert, da diese sich ohne die Honigbiene nicht vermehren könnten.

Was machen Ihre Bienen im Winter und warum kann man sie im Januar bereits bei etwas wärmeren Temperaturen bereits schwirren sehen? 

Im Winter bilden die Bienen eine feste Traube, wo sie dicht an dicht sitzen und sich gegenseitig wärmen. Während dieser Zeit zehren sie von ihren Wintervorräten. Bienen sind sehr reinliche Tiere und würden nie ihr Heim beschmutzen. Während des Winters sammeln sie ihre Stoffwechselendprodukte in einer Kotblase. Sobald es wieder etwas wärmer ist, fliegen sie aus, um diese zu entleeren. Das ist der Grund, warum man Bienen auch im Winter in der Nähe ihres Stocks bei Temperaturen ab 8 bis 10 Grad  fliegen sehen kann.

Sie sind auch in der Funktion des ehrenamtlichen Beauftragten für Faltenwespen des Landkreises Verden tätig. Was versteht man darunter? Haben Sie auf dem Golfplatzgelände bereits Einsätze durchgeführt?

Ein Faltenwespenbeauftragter befasst sich mit Bienen, Wespen, Hornissen und Hummeln. Falls jemand Fragen oder Probleme hat, so richtet er sich an mich und ich stehe beratend zur Seite. In Notfällen, falls z.B. ein Wespennest an einer sehr problematischen Stelle hängt, siedele ich dieses wenn möglich auch um, wie es letztes Jahr an der Drivingrange der Fall war.

Neben Bienen sind auf dem Platz auch Wespen und Hornissen anzutreffen. Das zeugt von einer intakten Natur. Warum sind diese Insekten so wichtig und müssen unsere Golfer mit Gefahren rechnen?

Wespen und Hornissen haben auch einen sehr hohen Stellenwert in der Natur. Sie ernähren ihre Brut mit tierischem Protein. Ein großes Volk sammelt  täglich bis zu 700 Gramm   Raupen und Insekten und hat somit eine wichtige Aufgabe in der Schädlingsbekämpfung.  Hornissen sehen zwar gefährlich aus, sind aber sehr harmlose Tiere. Einzelne Tiere würden nur bei sehr starker Bedrohung (wie z.B. Quetschen des Tiers) zustechen.  Die meisten Wespenarten sind auch sehr friedliebend. Eine einfache Regel lautet: Sieht man das Nest offen z. B. frei hängend an einem Balken, so ist es eine sehr friedliche Art. Sieht man das Nest hingegen nicht, sondern nur das Einflugloch, so ist es eine etwas aggressivere Art, welche im Herbst etwas lästig werden kann. Aber selbst die friedlichste Wespe würde wehrhaft ihr Nest verteidigen, wenn dieses stark bedrängt wird. Dann kann es passieren, dass man ein paar schmerzhafte Stiche bekommt.

Verraten Sie uns bitte Ihr neues Hobby. 

Ehrlich gesagt, hab ich Golfspielen anfänglich ja etwas belächelt, als der Golfclub hier gegründet wurde. Über die Jahre hinweg wandelte sich die Einstellung langsam. Diesen Winter hab ich dann mit Freunden einen Winterkurs besucht und wir sind nun fleißig am üben und mit Freude dabei. Ein Eintritt in den Golfverein von uns ist somit sicher. 

Herr Wilkens, zum Schluss möchte ich mich für Ihren tollen Einsatz im Namen der Mitglieder herzlich bedanken. Ihren Bienen wünsche ich, dass sie weiterhin emsig über den Platz fliegen und viel Honig sammeln und Ihnen, dass Ihre Golfbälle immer weit und gut platziert fliegen mögen. 

Naturkundliche Führungen

Anmeldungen zu einer naturkundlichen Führung über den Golfplatz oder zum Besuch der Streuobstwiese bitte bei Hans-Dieter Pöhls, T. 04202-6838 oder poehls@fichtenhof.de