Etikette und Platzpflege sind Voraussetzungen für ein gutes Golfspiel


Es gibt eine Todsünde auf dem Platz, bei dem jeder Ranger die ‚Rote Karte’ zieht und auf die Etikette verweisen würde:

Wenn ein Spieler mit seinem Trolley oder dem E-Cart über ein Grün fährt.

Jeder hält sich daran, aber wo steht das? In den Etiketten des R&A steht es nicht.
- Ist das ein ungeschriebenes Gesetz? - Nein!
In dem Regelbüchlein wird auf die örtlichen Vorschriften verwiesen! Und da steht es:
Bei uns auf einem Schild am Starterhäuschen:

Halten Sie mit dem Wagen Abstand von den Grüns, Vorgrüns
und den Bereichen zwischen Grün und Grünbunker.

Grüns: - ok, aber was soll das mit den Vorgrüns und den Bereichen zwischen Grün und Hindernis?
Jeder weiß, wenn die Fahne auf dem Grün eine Woche nicht versetzt wurde, ist der Boden um das Loch herum so strapaziert, das der Ball nicht auf der Linie bleibt. Also wird mehrmals die Woche das Loch versetzt.
Ähnliches gilt in wesentlich größerem Ausmaß für die Grüns: Würden wir mit den Trolleys immer über das Vorgrün fahren, wird es dort aussehen wie auf den Wegen zwischen den Spielbahnen, und die Bälle würden verspringen. Das Grün können wir nicht umsetzen, also müssen die Wagen das Vorgrün meiden. Auf einigen Golfanlagen ist das durch geschickte Plazierung von Grünbunkern geregelt, andere stecken mit Drahtbögen oder Leinen diese Bereiche ab, so dass die Wegeführung den Vorgrünbereich schützt.
Während sich jeder an die Regel mit den Grüns hält, die noch nicht mal Aufnahme in die Etikette gefunden hat, müßten die Punkte aus dem Regelbüchlein des R&A doch eigentlich erst recht ernst genommen werden:

 

  • Bunker einebnen
  • Ausbessern von Divots, Balleinschlaglöchern und Schäden durch Schuhe
  • Vermeiden von unnötigen Beschädigungen


1. Wird der Bunker nicht geharkt, verstößt man ja ganz offensichtlich gegen die Etikette.
Dem will sich nun niemand aussetzen, und so werden häufig eher schlecht als recht ohne zur Hilfenahme der Harke, die eigenen Spuren im Bunker beseitigt.

2. Wie ist es nun mit Divots, Einschlaglöchern und Schäden durch Schuhe?


Divots:
Wird das Rasenstück nicht sauber eingepaßt und festgetreten, kommt am folgenden Tag der Fairway-Mäher und erfaßt das Stück und zerstört es.
Hier machen wir einmal eine kleine Rechnung auf:
Gehen wir davon aus, dass durchschnittlich ca. 500 Spieler pro Woche über den 18-Lochplatz gehen. Das sind 25.000 im Jahr. Gehen wir von einer durchschnittlichen Schlagzahl von ca. 100 Schlägen aus, so bleiben ca. 40 Fairwayschläge pro Spieler. Nehmen weiter an, dass 4 Divots nicht oder schlecht repariert werden, so ergibt das 100.000 Divots im Jahr. Da unser Platz nie mit Divotfilling versorgt wurde, ergibt das über die Zeit ca.1,3 Mio. nicht reparierte Divots.
Bei einer Fairwayfläche von aufgerundet 100.000qm würde das ca. 13 Divots pro Quadratmeter bedeuten.
Aber es kommt noch schlimmer: Das gilt nur bei einer Gleichverteilung auf den Fairways.
Die neuralgischen Flächen sind höchsten 1/10 der gesamten Fairwayfläche: Bleibt 130 pro qm.
Durch die Witterung reparieren sich die flachen Divots von selbst. Die tiefen bleiben teilweise über lange Zeit. Also kein Wunder wenn wir häufiger mal in alten Divots liegen.

Pitchmarken:
Golfnovizen würden nach ihrem ersten hohen Ball ins Grün wohl am liebsten die Pitchmarke ausstechen und als Trophäe mit nach Hause nehmen, ähnlich dem 11-Meterpunkt nach einem Fußball-Meisterschaftsspiel.
Was passiert nun eigentlich mit den vergessenen Einschlaglöchern. (Provokativ: soll doch der reparieren, auf dessen Puttlinie das Loch liegt). Der Rasen an dieser Stelle geht kaputt und es sähen sich Klee oder Fremdgräser aus, und die breiten sich von dort in der Regel konzentrisch aus. Damit sieht das Grün nicht nur irgendwann scheckig aus, auch der Lauf des Balls wird beeinträchtigt.

Schäden durch Schuhe:
Durch den Umstand, dass Spikes für Amateure nun fast überall verboten sind, hat sich das Ausmaß der Schäden verringert. Trotzdem werden durch das Drehen des belasteten Fußes auf den Grüns immer noch sichtbar Schäden hinterlassen. (Deutlich sind solche Spuren auf Abschlägen zu sehen, wo es nicht vermieden werden kann, aber auch nicht wirklich stört.)

3. Vermeiden von unnötigen Beschädigungen:
Dies betrifft den Umgang mit dem Fahnenstock und dem Equipment auf den Grüns, sowie die Übungsschläge. Jeder weiß worum es hier geht.
Ein weiterer Punkt, der immer wieder zu teilweise heftigen Ermahnungen führt:

Sicherheit.
Kommt ein Schlag auch nur annähernd an die vorausspielende Gruppe heran, wird protestiert.
Meistens natürlich zu Recht. Wie sieht es aber mit dem Pflegepersonal aus, die in der Etikette die gleiche Erwähnung finden wie die Spieler:
Hier wird leider nicht immer die erforderliche Rücksicht genommen.
An dieser Stelle wieder eine kleine Rechnung:
Startet alle 10 Minuten eine Spielgruppe, so wird der Greenkeeper alle 10 Min durch die Spieler an der zügigen Arbeit gehindert, und muß für 1 bis 4 Minuten seine Arbeit unterbrechen.
Das heißt: ca. ¼ der Zeit verbringen die Greenkeeper damit an die Seite zu fahren, zu warten und dann die Arbeit an dem Punkt wieder aufzunehmen an dem sie unterbrochen wurden. Natürlich laufen auch die ganze Zeit die Motoren. (Betriebswirtschaftlich braucht das hier wohl nicht bewertet zu werden.)
Dies ist mit ein Grund, weshalb auf allen Plätzen gilt:

 

Pflegepersonal hat Vorrang!

Die aufgeführten Gedanken sollen ein paar Regularien aus einem etwas anderen Blickwinkel beleuchten und klären, daß die Etikette nicht nur zum ‚Fair Play’ aufrufen.

Die Greenkeeper tun alles für die Platzpflege, um die Voraussetzungen für ein faires Golfspiel zu schaffen. Sie können aber nicht die Verantwortung des einzelnen Spielers für die Einhaltung von Etikette und Platzregeln ersetzen.

Deshalb helfen Sie mit, und beheben Sie eigenverantwortlich die von Ihnen verursachten Schäden und bleiben Sie aufmerksam gegenüber dem Pflegepersonal.


Die Greenkeeper danken es Ihnen.

 

BB