Wer kennt sie nicht, die unausgebesserten Pitchmarken auf der Runde, die dem Golfball auf dem Weg zum Loch im Wege sind und eine andere Ballrichtung verursachen können, als eigentlich geplant bzw. auf dem Grün gelesen wurde. Viel größer ist dann oftmals noch der Ärger über die vorhergehenden Flights und deren Golfer, die es versäumen, verursachte Pitchmarken auszubessern. Darauf angesprochen, behaupten die Mehrzahl aller Golfer, dass ihnen so etwas nicht passiert bzw. sie ihre und natürlich noch eine Vielzahl weiterer Pitchmarken auf der Runde ausgebessert hätten. Ärgerlich ist es allemal, aber macht es deshalb gleich krank? Nein sie nicht – doch unsere Gräser in ganz erheblichem Maße, so dass dann auch der Greenkeeper zum Teil vor unlösbaren Aufgaben steht.

Je nach Länge und Flugkurve eines Annäherungsschlages auf das Grün, hinterlässt der Golfball an der Aufschlagstelle eine deutliche Vertiefung (Pitchmarke). Größe und Form der Pitchmarken hängen im wesentlichen auch von den Bodenverhältnissen (Feuchtigkeit, Sandgehalt) und der Filzschicht auf dem Grün ab. Durch die Wucht des Aufschlags wird nicht nur der Ballverlauf beeinträchtigt, sondern auch die Gräser erheblich verletzt. Davon ist insbesondere der so wichtige Vegetationspunkt im Herz der Pflanze betroffen. Der Vegetationspunkt ist das Gewebe, in dem neue Blätter ausgebildet werden. Folglich kommt es nach dem Ballaufschlag zu einem gestörten, wenn nicht gar gestopptem Gräserwachstum an diesen Stellen. Meist werden solche Schadstellen von Rasenunkräutern und/oder der unerwünschten Grasart Poa annua (Jährige Rispe) besiedelt, die durch ihre ohnehin ungünstigen Eigenschaften die Grünoberfläche zusätzlich negativ beeinflussen. Dies ist auch ein Grund dafür, dass sich die Pflanzenbestände auf den Grüns im Laufe der Jahre verändern. Zu allem Übel sind dann die beschädigten Pflanzenteile sowie die eingewanderten Fremdarten teilweise auch sehr anfällig gegenüber pilzlichen Erregern, die die sog. Rasenkrankheiten hervorrufen können.

Als wichtigste Sofortmaßnahme gilt deshalb, dass der Golfer die Pitchmarken sofort fachgerecht beseitigt, damit die Regeneration der verletzten Grasnarbe ungestört einsetzten kann. Damit hat der Spieler die Basis für eine schnelle und optimale Schadensbeseitigung gelegt. Ausgetrocknete bzw. nicht sofort reparierte Pitchmarken führen zu einer gestörten Regeneration der Schadstelle und führen zu den erwähnten Folgen. Im Frühjahr und Frühsommer, der wachstumsstärksten Jahreszeit verwachsen die Schadstellen wesentlich schneller als im Herbst und über den Winter.

Auch der Greenkeeper muss seinerseits mit geeigneten Maßnahmen dazu beitragen, dass Gräserwachstum anzuregen. Dazu zählt insbesondere eine ausgewogene und gleichmäßige Nährstoffversorgung sowie die bekannten Regenerationsmaßnahmen: Vertikutieren, Aerifizieren und Besanden, die dazu beitragen, Unebenheiten auf der Grünoberfläche auszugleichen.

Aus all den genannten Gründen muss beim Golfspiel das Ausbessern von Pitchmarken eine Selbstverständlichkeit sein und darf als wichtige Etikette nicht vergessen werden. Denn letztlich erwartet jeder Golfer gute und faire Bedingungen auf dem Grün und es sollte im Interesse eines jeden Spielers liegen, diese auch den nachfolgenden Flights zu garantieren, damit die Spieler nicht den Spaß am Spiel verlieren.

Ihr
Dr. Gunther Hardt